Tempramente

Menschen sind so unterschiedlich wie ihre Temperamente: Die einen suchen ständig neue Kontakte und Herausforderungen, die anderen sind einförmiger und ruhig, sie sind mit ihrer Arbeit in gewohnter Atmosphäre mehr als zufrieden. Die einen sind sehr offen, im Gegensatz dazu sind andere eher reserviert. Viele hören oft auf Ihr Gefühl, andere vertrauen eher Ihrem Verstand.

Geschichte
Bereits in der Antike hatten die Denker und Gelehrten das Bedürfnis, die Unterschiede der menschlichen Natur auf biologische und kosmologische Ursachen zu ergründen. Hippokrates von Kos, beschäftigte sich mit dem Konzept der Humoralpathologie, der vier Körpersäfte. Ein halbes Jahrhundert später nahm Galenos, die in der Philosophie entwickelte Vier-Elemente-Lehre auf und verknüpfte die Viersäftelehre mit vier Lebensphasen des Menschen und ordnete sie zu:

Galenos von Pergamon

Galenos von Pergamon

Rotes Blut lateinisch sanguis - Sanguiniker = heiter, aktiv; Lebensfreude
Gelbe Gallenflüssigkeit gr. cholḗ - Choleriker = reizbar und erregbar; Impulsivität
Weißer Schleim griechisch phlégma - Phlegmatiker = passiv, schwerfällig; Gleichgültigkeit

Schwarze Gallenflüssigkeit gr. mélaina cholḗ - Melancholiker = traurig, nachdenklich; Schwermut

Während des Mittelalters wurde die Temperamentenlehre Galens durch verschiedene Zuordnung von Himmelsrichtungen, Jahreszeiten, Planeten, Sternzeichen und Tonarten ergänzt.

Heute
In der modernen Persönlichkeitspsychologie spielen diese alten Modelle keine Rolle mehr. Die Temperamentenlehre wurde über viele Jahrhunderte angenommen, sie inspirierte unterschiedliche Wissenschaftszweige. Zwischen dem 18. und 20. Jahrhundert haben sich nicht nur Persönlichkeits-psychologen mit den Temperamenten auseinandergesetzt sondern auch viele verschiedene Künstler. 

Sanguiniker - Die vier Temperamente

Choleriker - Schattenmann

Phlegmatiker – Ballett Dortmund

Melancholiker - Leonard Cohen

Die Tempramente in der Waldorfpädagogik
Heute wird die Lehre von den Temperamenten vor allem in der Anthroposophie und der Waldorfpädagogik angewandt und ermöglicht eine einfache Beschreibung des menschlichen Charakters. Es geht hier nicht darum, dem Kind ein Temperament „abzugewöhnen“ oder die Persönlichkeit eines Kindes zu verändern, sondern darum, die Kinder in ihrer Entwicklung zu begleiten.

In den Waldorfschulen arbeiten gut ausgebildete und umsichtige Lehrkräfte in den ersten Jahren häufig damit, dass Kinder ihre Temperamente »gespiegelt« bekommen. Sie setzen Kinder mit ähnlichem Temperament zusammen. Nach einer Weile werden die Kinder dann quasi lebhaft „durchmischt“. Das Ziel ist hierbei, dass die Kinder sich zunächst „aneinander abreiben“ und die Einflüsse der anderen Temperamente, wenn die Kinder umgesetzt werden, eine willkommene Abwechslung darstellen – was ihnen zuvor vielleicht unangenehm gewesen wäre.

Die Temperamentenlehre kann jeden auf ähnliche Weise inspirieren. Wenn wir im Umgang mit uns Selbst und unseren Kindern die Temperamente erkennen, können wir einerseits versuchen zu verstehen und andererseits auch ausgleichend handeln. 

Seit Jahrhunderten versucht die Philosophie und Psychologie die Eigenschaften von Menschen zu definieren und Ihr Verhalten zu begründen. Jeder Mensch ist anders. Jeder von uns hat seine ganz persönlichen Verhaltensstärken und -schwächen. Es gibt Menschen die uns ähnlich sind, andere wiederum erscheinen uns fast fremd.

Charakter und Tempramente
Mit dem Charakter bringen wir unser Wollen und Handeln zum Ausdruck. Beim Charakter gehen wir von einer gewissen Prägung aus, die durch ererbte und erworbene Eigenschaften ausgebildet wird. Der Charakter bestimmt wie wir später handeln. Unsere Verhaltensweisen sind durch unsere Vorfahren und später erfahrene Lernprozesse in der Kindheit angelegt. Der Charakter, kann sich im Laufe des Lebens aber auch weiterentwickeln und verändern.

Das Temperament hingegen ist eine Art Grundwesen, es bildet die Anlage und das spätere Fundament für den Charakter eines Menschen und beeinflusst seinen sozialen Umgang sowie sein Verhalten. Im Gegensatz zum Charakter ist es eine angeborene individuelle Besonderheit, die, wie einige Fachleute behaupten, nicht verändert werden kann.

Ich bin der Meinung, dass man im Laufe eines Lebens sehr wohl die unterschiedlichen Temperamente und ihre Anlagen in seinem Inneren kennenlernen, und erfahren kann. Die meisten von uns tragen alle Temperamente in sich und oft sind ein oder zwei, stärker ausgeprägt als die anderen. Es gibt auch Menschen, die gänzlich „ausgeglichen“ sind, bei denen entsprechend alle vier Temperamente beinahe gleichmäßig zu Tage treten.

Das Temperament ist hauptsächlich dafür verantwortlich, wie ein Mensch auf bestimmte Reize der Umwelt reagiert. Es hat den direktesten Einfluss auf das Verhalten und nicht zuletzt auch darauf, wie eine Person von anderen Menschen wahrgenommen wird. Das Temperament ist ausschlaggebend dafür, ob man von anderen gemocht und für sympathisch gehalten wird.

Das Temperament spiegelt unseren direkten Verhaltensstil wider. Es beschreibt die Art und Weise, wie wir als Persönlichkeiten agieren und reagieren. Unser Verhalten ist tief verankert und setzt sich aus einer Art Selbstregulierung zusammen, die aus motorischen, emotionalen und aufmerksamkeitsbezogenen Reaktionen agiert.

Tipps für eine bessere Selbstwahrnehmung
Oftmals ist es so, dass eines der Temperamente zunächst stärker ausgeprägt ist, als ein anderes. Um ein Temperament in uns besser annehmen und verstehen zu können, ist es wichtig, dass wir unsere Sichtweisen, Bedürfnisse, und den Umgang mit der Außenwelt achtsamer wahrnehmen.

Wenn wir nun mit unserem Verstand auf die Temperamente blicken, so soll es keineswegs um eine Art „Kategorisierung“ gehen, sondern vielmehr darum, wie wir uns selbst wahrnehmen und verstehen. Was sollten wir beachten, wie können wir uns selbst angenehm begleiten und einen emotionalen Ausgleich finden.

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